Vier Tage lang führten rund 400 Jugendliche Verhandlungen, schrieben Resolutionen und hielten Reden – und das im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Die Model United Nations - Schleswig Holstein, das größte deutschsprachige Planspiel der Vereinten Nationen, fand vom 6. bis 10. März 2025 in Kiel statt. Jugendliche schlüpften in die Rollen von Delegierten, NGO-Vertreter*innen oder Journalist*innen - darunter auch ich. MUN-SH ist keine gewöhnliche Veranstaltung. Es geht darum, internationale Politik unmittelbar zu erleben und diplomatische Fähigkeiten zu erproben. In sieben Gremien wurden Themen von globaler Bedeutung diskutiert, von Steuerkonventionen, über Cyberkriminalität, Menschenrechten bis hin zur Bekämpfung von Welthunger. Ich selbst, durfte als Delegierte die Position eines Staates, genauer gesagt von Australien, repräsentieren – und mir wurde schnell klar, dass das mehr als nur ein Planspiel ist.
Meine Aufgabe war es, die Interessen meines Landes überzeugend zu vertreten. Das bedeutete, sich intensiv in politische und wirtschaftliche Themen einzuarbeiten, Verhandlungen zu führen, strategisch zu denken und authentisch in die Rolle der Delegation zu schlüpfen.
Besonders spannend war die Debatte in meinem eigenen Gremium. Der Wirtschafts- und Sozialrat behandelte Ziele und Maßnahmen zur Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung. Die Herausforderung? Andere Delegierte von meiner Position zu überzeugen, Kompromisse zu finden und am Ende gemeinsam eine Resolution zu verabschieden.
Es gab hitzige Diskussionen, plötzliche Wendungen und manchmal auch schwierige diplomatische Konstellationen. Doch genau das machte MUN für mich so spannend. Ich merkte, wie viel Taktik hinter internationalen Verhandlungen steckt – und wie wichtig es ist, sich präzise auszudrücken. Trotz aller Anstrengungen, schaffte es der WiSo-Rat die Resolution mit 53 Stimmen dafür und einer Enthaltung, erfolgreich zu verabschieden.
MUN-SH hat mir geholfen nachzuvollziehen, warum es so schwierig ist, dass sich Länder in der echten Welt einigen. Jede Nation hat eigene Interessen, und selbst wenn das Ziel klar ist, kommen oft unzählige Meinungsverschiedenheiten in den Weg.
Das Erlebnis, das mir besonders in Erinnerung bleiben wird, ist die Eröffnungszeremonie der diesjährigen Model United Nations. Diese fand in der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel statt und begrüßte Ehrengäste wie die Landesvizepräsidentin Eka von Kalben und den stellvertretenden Landesbeauftragten für politische Bildung in Schleswig Holstein, Dr. Hauke Petersen.
Die Kulisse des Kieler Landtags verlieh der Konferenz eine besondere Atmosphäre. Sich an einem echten Redepult zu Wort zu melden, fühlte sich ungewohnt, aber auch unglaublich aufregend an. Besonders beeindruckt hat mich, wie professionell und ernsthaft alle Teilnehmenden ihre Rollen übernahmen. Neben den formellen Debatten, gab es auch viele Gelegenheiten zum Austausch mit Jugendlichen, sowohl aus ganz Deutschland, als auch aus dem Ausland, wie etwa Ägypten, Italien oder Spanien. Die Gespräche in den Pausen, das gemeinsame Feilen an Formulierungen und die spürbare Begeisterung für Politik machten die Veranstaltung zu einem wirklich unvergesslichen Erlebnis.
MUN-SH hat mir gezeigt, wie komplex internationale Politik ist – und wie viel Kommunikation und Diplomatie ausmachen.
An dieser Erfahrung, bin ich persönlich viel gewachsen und habe mich weiterentwickelt, indem ich geübt habe, vor dem Publikum zu sprechen, meine Argumente klar zu formulieren und auch erfolgreich Kompromisse einzugehen - alles Fähigkeiten, die unabdingbar in der beruflichen Karriere einer zukünftigen Diplomatin sind.
Was ich allen Politik- und Bildungsinteressierten an das Herz legen kann? Nimmt an MUN-SH teil und nutzt diese großartige Gelegenheit, in die Welt der Diplomatie einzutauchen. Ich kann es nur empfehlen – und freue mich schon auf die Schwesterkonferenz, MUN-Baden Württemberg, in Stuttgart!
Liebe Grüße
Helena Cvetkovic












